Bakkt – das sollte man wissen

Bakkt ist anders. Es distanziert sich verbal von Bitcoin-ETF’s, deren Anträge ständig von der US-amerikanischen Börsenaufsicht SEC abgelehnt oder verschoben werden. Bakkt soll besser sein, als die ETFs. Das ist die gängigste Meinung im Internet.

Bakkt ist ein Service der Intercontinental Exchange ICE. Und diese ist die Muttergesellschaft der New York Stock Exchange (NYSE). Die Intercontinental Exchange (Marktkapitalisierung 42 Milliarden Dollar) wurde im Jahr 2000 zur Modernisierung der Märkte gegründet. Als Muttergesellschaft der New York Stock Exchange kann sich das Unternehmen mehr Kapital als jede andere Börse der Welt beschaffen.

Für die Genehmigung von Bakkt ist die U.S. Commodities Futures Trading Commission (CFTC) zuständig. Bekommt die ICE grünes Licht, dann würde Bakkt eine der größten Plattformen – global und US-reguliert –  für Verbraucher und Institutionen für den Kauf, Verkauf, Aufbewahrung und Ausgabe digitaler Vermögenswerte werden.

Im Gegensatz zu den anderen ETFs (außer dem VanEck SolidX-ETF), setzt Bakkt tatsächlich auf den realen Bitcoin. Das heißt, dass mit der erhöhten Nachfrage auch der Preis von Bitcoin steigen sollte.

Jedoch sollte man sich noch einmal folgendes Szenario vor Augen führen: außerhalb des etablierten Finanzsystems bildet sich ein paralleles Finanzsystem – Kryptowährungen –  und institutionelle Investoren würden es „finanzieren“, wenn sie eintreten. Wenn sie das tun, dann ganz sicher nicht, um der Krypto-Community ganz selbstlos eine Freude zu bereiten.

Wichtig ist auch die Aussage von Bakkts CEO Kelly Loeffler. Sie sagte, dass die Produkte ihres Unternehmens

  • kein Margen-Handel
  • kein Leverage-Handel
  • kein Papieranspruch auf ein Realvermögen

sein werden. Quelle dazu: Medium Blog

Des weiteren sollen alle Bitcoin Käufe/Verkäufe auf der Bakkt-Plattform durch das Unternehmen vorfinanziert werden, um eventuelle Ausfallrisiken zu vermeiden. Eine Clearingstelle könnte einen separaten, von Bakkt finanzierten Garantiefonds einrichten, der für die gehaltenen Bitcoin-Vermögenswerte der Kunden vorgesehen ist.

Skeptiker Andreas Antonopoulos

Mit diesen Aussagen nimmt sie erst einmal den Wall-Street-Skeptikern etwas ‚Wind aus dem Segel‘. Einer der Skeptiker ist die Bitcoin-Größe Andreas Antonopoulos. Dieser äußerte sich, allerdings vor der Klarstellung von Loeffler, in etwa wie folgt: Die Idee, die dabei verfolgt wird ist eine Bitcoin-Reserve zu erstellen. Daraus können dann Instrumente gemacht werden, die auf traditionellen Märkten wie Aktien gehandelt werden. „Es ist ein Depot-Reservesystem, bei dem der Verwalter die eigentliche Bitcoin hält und Sie einen Anteil an seinem Fonds erhalten – nicht Bitcoin.“

Außerdem wird befürchtet, dass ein eventueller Leverage-Handel der Wall Street, schuldenbasierte Kryptowährungsprodukte hervorbringt. Dies könnte in der Praxis zu „künstlichen Coins“ führen, die Bitcoins Wert Nummer eins, die digitale Knappheit, behindern.

Um das etwas zu verstehen, muss man folgendes wissen: es gibt zwei Arten von finanziellen Vermögenswerten, einmal aktienbasiert und einnmal schuldenbasiert.

Aktienbasierte Vermögenswerte sind solche, bei welchen es keine Verbindlichkeiten gibt – es sind also keine Schuldscheine.  Darunter fallen Grundstücke, physische Rohstoffe, persönliches Eigentum und Papierzertifikate. Und auch Kryptowährungen würden in diese Kategorie fallen. Derjenige, der die privaten Schlüssel kontrolliert, kontrolliert die dazugehörigen Kryptos.

Schuldenbasierte Vermögenswerte sind das Gegenteil. Wenn man einen schuldenbasierten Vermögenswert besitzt, schuldet einem jemand diesen. Aktien, Anleihen, die Einlagen auf dem Bankkonto und sogar Bargeld in der Brieftasche sind schuldenbasierte Assets-IOUs, also Schuldscheine (in englisch heissen diese sehr sympathisch IOUs – I owe you, bzw. ich schulde dir/ihnen).

Warum ist diese Unterscheidung wichtig? Es ist einfach für das traditionelle Finanzsystem, schuldenbasierte Vermögenswerte zu fördern, aber es ist nicht einfach, aktienbasierte Vermögenswerte zu finanzieren. Die Eigentümer eines aktienbasierten Vermögenswertes müssen einverstanden sein, das Eigentum daran aufzugeben oder zu verpfänden, bevor eine Schuldforderung erstellt werden kann.
Gute Frage: Wie bereit sind Kryptowährungsbesitzer, ihre Kryptowährungen an das Finanzsystem zu verpfänden (d.h. ihre privaten Schlüssel aufzugeben), um so die Entstehung von Forderungen gegen sie zu ermöglichen?

Zur ersten Variante. Zentrale Behörden – Zentralbank mit Hilfe von Banken – sind befugt:

  • eigens mehr von dem Vermögenswert zu schaffen und/oder
  • eigens Schuldscheine auf dem Vermögenswert selbst zu erstellen

Es heißt, es gibt zwei Begriffe, über die die Wall Street wahrscheinlich lieber mit vorgehaltener Hand spricht: Comingling (Vermischung) und Rehypothecation (Weiterverpfändung). Durch die Kombination beider Methoden kann die Wall Street aktienbasierte Vermögenswerte in ein schuldenbasiertes Instrument umwandeln.

Comingling ist der Prozess der Zusammenführung von Vermögenswerten in einem Custody-Pool, anstatt sie in einzelne Konten zu trennen. Im Hinblick auf digitale Assets stellt dies zwei Probleme dar. Erstens, der Pool wird zum attraktiven Ziel von Hackern.  Zweitens, sobald die Vermögenswerte vermischt sind, ist es kompliziert festzustellen, welche Kryptos wem gehören. Kontrastieren Sie das mit einem Szenario, in dem eine Person den öffentlichen Schlüssel kannte, wo sich ihre Krypto befindet.

Sobald die Vermögenswerte aller Teilnehmenden vermischt sind, können diese weiterverpfändet werden. Die Rehypothecation (Weiterverpfändung) bezieht sich auf die Praxis, verwahrte Vermögenswerte an andere Unternehmen gegen Vorteile weiterzuverleihen. Überraschenderweise ist diese Praxis nicht illegal. Ein Kunde kann seinem Treuhänder gestatten, die bei ihm sicher verwahrten Vermögenswerte zu verpfänden, um Vorteile wie günstigere Kreditkosten oder Rabatte auf Gebühren zu erhalten. In der Praxis kann eine Weiterverpfändung gefährliche Folgen haben. Der Prozess ermöglicht es, Schuldscheine in mehr Schuldscheine zu verwandeln.

Die ICE wird mit Bakkt ähnlich wie ein Kassamarkt funktionieren. Bitcoin wird mittels eintägigen Futures-Kontrakten gehandelt. Der Broker oder Händler wird einfach eine Bestellung für seinen Kunden aufgeben und am Ende des Handelstages schickt die ICE-Clearingstelle das Geld oder die Bitcoin dorthin, wo es hin muss. Die Kunden werden ihren privaten Schlüssel der Börse anvertrauen, die an einem „schwer bewachten Ort“ aufbewahrt werden. – Somit kann davon ausgegangen werden, dass jeder Kunde sein eigenes Key-Paar (privater und öffentlicher) haben wird, diese aber in den Händen von Bakkt sind.  

Off-chain System

Die eigentliche Innovation liegt jedoch in einer neuen Architektur, die speziell für Bakkt entwickelt wurde. Ähnlich wie das Lightning Network hat Bakkt ein Off-Chain-System geschaffen, das es ermöglicht, Trades auf institutioneller Ebene durchzuführen. Mit einer eigenen „Lightning Network“-Lösung und der von den Investoren der Wall Street bereitgestellten Liquidität könnte Bakkt als Lösung für Händler und globale Unternehmen fungieren, so dass sie Broker und Banken und damit die Gebühren für die Kreditkartenabwicklung oder den Geldumtausch umgehen können. Bakkt läuft damit als Layer auf der Bitcoin-Blockchain.

Der CEO von der ICE Jeff Sprecher ist begeistert von der Idee. Er sagt: „Bitcoin würde die Bewegung des globalen Geldes stark vereinfachen“, und fügt hinzu: „Es hat das Potenzial, die erste weltweite Währung zu werden“.

Bitcoin ist anders

Für die Wall Street ist es wohl ein seltsames Szenario, aber es scheint tatsächlich so, als könne es Bitcoin erst einmal nicht ihre eigenen Vorstellungen aufzwingen. Wer die Technologie dahinter ändern möchte, muss seine Rechnung mit den Full-Node-Betreibern und denen, die im Besitz des privaten Schlüssels sind, machen.

Die Forbes-Journalistin Caitlin Long, die 22-jährige Wall Street-Veteranin und Bitcoin-Anhängerin kommt zu einem düstereren Schluss für diejenigen, die diese Technologie manipulieren wollen.

„Da der Preis von Bitcoin zunehmend durch die Schaffung von immer mehr off-chain, teilweise reservierten Bitcoins unterdrückt wird, haben die Full-Node-Betreiber des Netzwerks einen immer größeren Anreiz, die Blockchain zu spalten und einen kurzen Squeeze zu erzwingen.“

„Kryptowährungen werden entweder die etablierten Unternehmen dazu bringen, das traditionelle Finanzsystem fairer und stabiler zu machen oder sie werden diese überflügeln und dominieren.“

„Da sich die Kryptowährungsmärkte weiter entwickeln, werde ich auf der Suche nach folgendem sein: Finanzinstitute die beginnen, Forderungen gegen Kryptowährungen zu stellen, die nicht vollständig durch die zugrunde liegenden Coins gedeckt sind (in Form von Margin-Darlehen, Coinverleihung, Futures mit Coinabrechnung oder ETFs erfolgen könnte). Nichts davon geschieht jedoch bisher auf dem Markt.“

Zu Bakkt gesellt sich ErisX

Nachrichten, die Ethereum World News erreichen, zeigen, dass Bakkt nicht die einzige Wall Street Firma ist, die plant, Bitcoin (BTC) und Digital Asset Investments in den Mainstream zu bringen. Laut zuverlässigen Quellen steckt eine weitere Gruppe von Wall Street-Giganten hinter einem neuen Kryptowährungsbörse namens ErisX. TD Ameritrade, ein Brokerage-Riese, ist Teil der Liste der Unternehmen, die die Börse unterstützen werden, die es Einzelpersonen ermöglichen wird, Kryptowährungen und Derivate, die an digitale Vermögenswerte gebunden sind, zu handeln.

Unter der Leitung von Thomas Chippas, einem ehemaligen Head of Quantitative Execution bei Citigroup, wird es über ErisX möglich sein, eine breite Palette von physisch gelieferten Futures-Kontrakten für Bitcoin, Bitcoin Cash, Ethereum und Litecoin anzubieten. Mit dem Kassamarkt, beziehungsweise Spothandel soll im zweiten Quartal 2019 begonnen werden.

 


Weitere Infos zu Bakkt: Adam White wechselt von Coinbase zu Bakkt und Bakkt will Bitcoin verbessern und massentauglich machen

Quelle: cryptoiscoming.com, forbes.com

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s